Über 100 Gäste kamen zur Vorstellung unseres Buches „Roadmaps 2020. Wege zu mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie“ am 29. Juli in die Niedersächsische Landesvertretung in Berlin.

 

Zunächst führten Jürgen Hotz (Campus-Verlag) und Yasmin Fahimi (Vorstand Denkwerk Demokratie) in das Buch ein. Anschließend diskutierten die vier Autor/innen Prof. Dr. Sebastian Dullien (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin), Steffi Lemke (Politische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90 / Die Grünen) Andrea Nahles (SPD-Generalsekretärin) und Michael Vassiliadis (Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie) unter der Moderation von Cordula Drautz (Politikwissenschaftlerin und Mit-Autorin) über ihre Anforderungen an eine nachhaltige Politikgestaltung.

 

 

Nachstehend dokumentieren wir die Einführung von Yasmin Fahimi:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, 

 

stellvertretend für die Mitarbeiter/innen des Campus-Verlags geht unser Dank zunächst an Jürgen Hotz – für Bereitschaft das Buch zu verlegen und die gute Unterstützung.

 

Bedanken möchten wir uns auch bei der Landesvertretung Niedersachsen – für die Möglichkeit, die Vorstellung des Buches hier durchführen zu können.

 

Und ein kollektiver Dank an alle Autorinnen und Autoren die an diesem Buch mitgewirkt haben.

 

Das Vorlegen eines politischen Sammelbandes kurz vor einer Bundestagswahl mag den Eindruck erwecken, es ginge um profanen Symbolismus. Natürlich weist das Denkwerk Demokratie, als Herausgeber des Bandes, grundsätzlich jede Form von Profanität weit von sich. Dennoch könnte so mancher meinen: „Das kenne ich doch schon alles.“ Was könnte also lesenswert sein an diesem Buch, als das sich der Abend sowie die Lektüre lohnen?

 

Nun, zunächst meinen wir, es lohnt sich in jedem Fall, sich mit der gespaltenen Persönlichkeit Deutschlands zu beschäftigen. Sich zu beschäftigen mit dem:

„Es geht uns gut. Weiter so, Deutschland.“ einerseits.

Und dem „Alles zerfällt um uns herum. Was wird kommen?“ andererseits.

 

Der Ausgangspunkt für unser Buch war also, wie im Übrigen für die Arbeit des Denkwerk Demokratie überhaupt, die gespaltene Debattenlage in unserem Land. Und es ist natürlich kein Zufall, dass die Bundestagswahl 2013 von dieser Spannung geprägt ist.

 

Worum es uns als Denkwerk Demokratie jedoch geht, ist Diskurse anzuregen, die über den Tag (Wahltag) hinaus gehen. Und wir sind der Überzeugung, dass es neuer Strategien bedarf. Denn es ist eine trügerische Sicherheit, in der sich so manche wähnen.

 

Wir wollen aber auch nicht Kassandra sein, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. Wir wollen über Strategien streiten, die aus den Sackgassen eingefahrener Überzeugungen herausführen. Wir wollen von vermeintlichen Wahrheiten befreien, indem wir neue Diskurse „zusammen-denken“.

 

Die Autorinnen und Autoren sind sich einig darin, dass wir eine andere und bessere Politik brauchen, um die großen Herausforderungen zu bewältigen. Wir haben daher unseren Band „Roadmaps 2020. Wege zu mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie“ genannt. Es geht dabei um die Gestaltung der Energiewende, einem Weg aus dem Finanzkapitalismus, die Überwindung der sozialen Spaltung und die Neujustierung unserer Demokratie.

 

Dafür haben wir eben auch nicht alleine „etablierte“ Verantwortungsträgerinnen und -träger aus Politik, Gewerkschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft um Beiträge gebeten, sondern auch Vertreter/innen einer jüngeren Generation. Die Texte sind überwiegend parallel entstanden. Dennoch glauben wir, dadurch eine gewisse Dynamik in die Kapitel gebracht zu haben.

 

Um dies am wohl kompliziertesten Fall, nämlich der Energiewende, deutlich zu machen:

– Man kann sich dem Thema aus der Perspektive der jungen Autorin Luise Neumann-Cosel nähern und die Chancen einer „bürgernahen Energieversorgung“ erläutern.

– Man kann sich dem Thema aber auch aus der Perspektive der energieintensiven Industrien nähern, wie Matthias Machnig und Michael Vassiliadis es getan haben.

 

Wer Sie mehr überzeugt „junger Aufbruch“ oder „politische Erfahrung“ mögen Sie als Leserinnen und Leser selbst entscheiden. Es uns aber wichtig, dass Sie verstehen, dass die „Gegenüberstellung“ kein pro/contra ist, sondern eine Darstellung dessen, was „zusammen-gedacht“ werden muss. Der Grundkonsens des Buches bleibt daher, das gemeinsame Plädoyer für ein soziales, demokratisches und ökologisch Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell.

 

Ein solch neues Politikmodell wirft Fragen auf, deren Antworten nicht auf morgen warten. Denn ein nachhaltiges Politikmodell stellt Weichen, die Bundestagswahlen überleben müssen, um zu wirken. Dafür eine stabile, belastungsfähige Diskursgrundlage zu finden, ist Aufgabe von uns Denkwerkerinnen und Denkwerkern.

 

Als Denkwerk haben wir bereits im Frühjahr diesen Jahres mit unserer Initiative für ein neues „Wohlstands- und Nachhaltigkeitsgesetz“ einen ersten Vorschlag gemacht, wie Eckdaten und Kennzahlen ein solches Politikmodell beschreiben können.

 

Mit diesem Buch, erhalten Sie, verehrte Gäste einen kleinen Einblick in die notwendigen Gespräche zwischen den Akteuren eines entsprechenden Politikmodells. Und wir erhoffen, dass Sie teilnehmen an einem Weg des „sich-vernetzenden Reformismus“.

 

Es stellen sich Fragen wie zum Beispiel:

– Welche Reform der Institutionen und Regulierungsmechanismen brauchen wir, um Politik als nachhaltigen Veränderungsprozess zu gestalten?

– Welche Entscheidungskultur in Politik und Wirtschaft brauchen wir einerseits, welche Formen der direkten demokratischen Beteiligung andererseits? Oder anders: Wie können wir in einer komplexen Gesellschaft Akteure einbeziehen ohne Politik zu lähmen?

– Brauchen wir überhaupt ein neues Verständnis von Politik?  Politik, die auf neuen Ebenen zueinander sortiert werfen muss?

 

Ich möchte Sie jetzt aber nicht weiter auf die Folter spannen und freue mich nun, für Sie einige der Autorinnen und Autoren des Buches begrüßen zu dürfen: Steffi Lemke, Andrea Nahles, Prof. Sebastian Dullien und Michael Vassiliadis werden jetzt mit einer Diskussion Appetit machen auf das Buch. Die Moderation übernimmt Cordula Drautz, die zu den jüngeren Autorinnen des Buches gehört. 

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.