Digitaler Kapitalismus: Von der Würde der Arbeit in digitaler und klimaneutraler Zukunft

Artikel aus dem Denkwerk zur Zukunft der Arbeit in der Zeitschrift spw:

von Christian Kellermann, Ralph Obermauer

Die Debatte zur Zukunft der Arbeit ist von vielen Studien, Prognosen und Szenarien geprägt, etwa zur künftigen Rationalisierung durch digitale Technologien, zum Wandel der Arbeitsnachfrage durch den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft, zu weiteren Produktivitätssteigerungen oder neuen Dienstleistungen. Solche Studien sind hilfreich und wichtig, doch durch ihre Dominanz und ihre unbefragten Prämissen verläuft diese Debatte oft irritierend frei von normativen Standpunkten, frei von der genuin politischen Frage: Wie wollen wir es denn haben, wie sollte es werden, wie wäre es gut?

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Werkbericht Nr. 8: Mobilitätswende – Die deutsche Automobilindustrie im Umbruch.

Das Denkwerk Demokratie legt mit dem Werkbericht Nr. 8 eine Studie zur Transformation des Mobilitätssystems vor. Am Beispiel der Automobilindustrie beleuchtet sie die Problematik eines ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Entwicklungspfades der Wirtschaft. Die Studie wurde im Auftrag des Denkwerk Demokratie vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW verfasst.

 

Sie identifiziert drei treibende Faktoren eines grundlegenden Wandels in den Märkten der Mobilität. Neben den Erfordernissen des Klimaschutzes und dem damit verbunden gesellschaftlichen und politischen Veränderungsdruck erwarten die Autoren in den nächsten Jahren auch starke Veränderungen der Nachfrage. Die Möglichkeit autonom fahrender Fahrzeuge kann die Nachfrage nach Mobilität fundamental verschieben. Und durch die Digitalisierung des Mobilitätssystems sowie begleitende digitale Informations- und Kommunikations-Dienstleistungen könnte sich die Art, wie Menschen sich fortbewegen wollen, ebenfalls sehr stark verändern.

 

Angesichts der zentralen Rolle der Automobilindustrie für Wohlstand, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland sind Unternehmen, Gewerkschaften und Politik gleichermaßen aufgefordert, diesen Wandel so zu begleiten und zu gestalten, dass er sozial und ökologisch nachhaltig verläuft und nicht in wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen führt. Die neue Mobilitätswelt könnte eine ökonomische, ökologische und kulturelle Erfolgsgeschichte werden. Dazu müssten politische Regulierungswege, unternehmerische Strategien und beschäftigungspolitische Erwägungen klug aufeinander abgestimmt werden.

 

Die Studie fügt sich in einen längerfristigen Diskussionsprozess im Denkwerk Demokratie ein. Es geht dabei um Fragen einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik und Instrumente einer nachhaltigen Strukturpolitik. Der Werkbericht Nr. 1 befasste sich mit einer Landkarte politischer Diskurse zu Wirtschaft, Wachstum und Gesellschaft. Die Werkberichte Nr. 2, Nr. 4 und Nr. 7 stellten Ziele einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik in Form eines neuen Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes vor (Neues Magisches Viereck).

IMK-Studie zum Magischen Viereck

Ende November 2017 hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung die aktuelle Berechnung des „Magischen Vierecks“ veröffentlicht. Das Denkwerk Demokratie e.V. und die Friedrich-Ebert-Stiftung sind Urheber und Partner dieses Projekts.

Die Untersuchung stützt sich auf ein Set von Indikatoren, die das Wirtschaftswachstum als Wohlstandsmaßstab ergänzen. Die Eckpunkte lauten: materieller Wohlstand und ökonomische Stabilität – Nachhaltigkeit der Staatstätigkeit und Staatsfinanzen – soziale Nachhaltigkeit – ökologische Nachhaltigkeit. Hinter jedem der Oberbegriffe steht eine Reihe von Indikatoren, die Fortschritt oder Rückschritt messbar machen.

Die aktuelle Berechnung zeigt, dass die Nachhaltigkeit in Deutschland in den vergangenen Jahren nur geringe Fortschritte gemacht hat. In den Bereichen wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie bei Staatsfinanzen und Staatstätigkeit wurden lediglich vier von 13 Zielen erreicht.